Montenegro & Albanien

Von |2018-10-21T10:09:25+00:0009. September 2018|Tags: , , , |

Während ich diese Zeilen schreibe, sind wir schon seit einer Woche wieder zu Hause. Ich durchstöbere gerade Handys, SD-Karten und externe Festplatten nach Fotos unseres Trips. Jetzt heißt es, zurückerinnern was alles passiert ist in den letzten Wochen und versuchen, das in Worte zu fassen.
Es war der letzte Urlaub vor dem Start unserer „großen Reise“ nächstes Jahr. Ende Mai diesen Jahres waren wir schon einmal in Montenegro. „Warum fahrt ihr keine 6 Monate später wieder hin?“ könnte man uns jetzt – zu Recht – fragen. Die einfache Antwort: Uns hat im Mai das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, in Montenegro lag teilweise einfach noch zu viel Schnee und das ist sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter und Steinen so gar nicht witzig, glaubt mir! Während unseres Urlaubs im Mai waren wir also hauptsächlich in Bosnien-Herzegowina und Kroatien unterwegs. Albanien hat uns damals tagelang heftige Gewitter beschert, sodass wir versucht haben, zurück in Richtung Norden dem fiesen Wetter zu entkommen. Hat nicht so ganz geklappt, deshalb dachten wir uns, „auf ein Neues“. Außerdem wollte Marius seinen 30sten Geburtstag Ende August nicht zu Hause feiern sondern raus und weg und irgendwo anders 😀

Nur zwei Wochen Zeit, viele Kilometer Anreise und nur einen groben Plan davon, welche Routen wir vor Ort fahren wollten. Ich glaube das Einzige was feststand war, die SH21 in Albanien, aber dieses Mal wollten wir nicht nur Richtung Theth fahren sondern auch eine Nacht dort verbringen.

Der Hinweg bis in die Nähe von Dubrovnik war in zwei Tagen geschafft. Hier hatten wir einen Campingplatz ausfindig gemacht, wo wir unseren Van (ein 9 Jahre alter Peugeot Boxer in weiß, von uns auch liebevoll „Kackfass“ genannt) freundlicherweise kostenlos für zwei Wochen abstellen durften. Die Anreise ist irgendwie immer locker flockig, man freut sich auf das was kommt und kann es kaum erwarten, die Moppeds aus dem Transporter zu holen.

Gesagt, getan.

Endlich auf zwei Rädern unterwegs, fuhren wir auf direktem Wege nach Montenegro um uns den Durmitor Nationalpark anzusehen. Dieser blieb uns ja im Mai verwehrt (Schnee, glatt, kalt, nicht schön). Jetzt konnten wir live sehen, was wir das letzte Mal verpasst hatten, die schmalen Bergpässe die sich durch die raue Natur schlängeln, die schroffen Berge und diese Aussicht! Auf den Schotterwegen durch den Nationalpark waren wir komplett allein, abgesehen von ein paar Schafen, die ab und zu unseren Weg kreuzten.

Da man hier oben relativ hoch ist, bleibt es nicht aus, dass das Wetter sehr schnell wechselt. Gerade fährt man noch im Sonnenschein bei angenehmen 24 Grad über grüne Wiesen und 10 Minuten später stellt man hektisch das Zelt auf um sich vor dunklen Wolken und dem unausweichlichen Regenguss in Sicherheit zu bringen.

Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, die Sonne konnte uns wieder aus dem Zelt locken, oder war es doch eher der Hunger?

Nach einem weiteren Tag kreuz und quer durch den Nationalpark fanden wir abends einen kleinen Campingplatz in der Nähe des Schwarzen Sees (Crno Jezero). Nach Zeltaufbau und Abendessen haben wir uns dann zu Fuß noch auf den Weg zum See gemacht.
Der Gletschersee ist eine der Hauptattraktionen im Nationalpark. Daher war es nicht verwunderlich, dass uns hunderte von Touristen auf dem asphaltierten Fußweg Richtung See entgegen kamen. Dafür waren wir am See dann fast allein und konnten ein paar Fotos machen.

Am nächsten Morgen habe ich mich dann todesmutig unter eine der eiskalten Duschen gestellt (und wenn ich eiskalt schreibe, dann meine ich EISkalt!) um danach von Marius zu erfahren, dass es in der zweiten Sanitäranlage (100m entfernt) auch warmes Wasser gibt 😀

Einige hundert Kilometer später…

Auf dem Weg Richtung Albanien fuhren wir am Skutarisee (Skadarzko Jezero) vorbei. Der See liegt im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Albanien und ist auf jeden Fall einen Besuch wert, so etwas sieht man nicht jeden Tag.

Unsere Pausen zum gucken und fotografieren fielen relativ kurz aus, da es zu dieser Jahreszeit (was für ein Schock) ziemlich warm wird und wir nicht in der Sonne verbrennen wollten. Also ging es zügig weiter Richtung Albanien, zumindest hatten wir das so geplant, bis mein Hinterreifen meinte, eine Schraube aufsammeln zu müssen.

Zum Glück hatten wir schon mehrere Male zu Hause in der Garage das Reifenwechseln geübt. Das erste Mal dauerte pro Hinterreifen knapp eine Stunde (!), beim dritten Mal konnten wir uns dann auf 15 Minuten verbessern. Aber das war halt in der Garage, bei angenehmen Temperaturen und ohne Zeitdruck. Auf einer engen, nicht asphaltierten Passstraße in Montenegro bei 35 Grad im Schatten und Gegenverkehr sieht das ganze schon etwas anders aus. Auf unsere Garagen-Bestzeit von 15 Minuten sind wir natürlich nicht gekommen, aber nach einer Dreiviertelstunde schwitzen und ackern war es geschafft und wir konnten weiterfahren.

Die Grenze zwischen Montenegro und Albanien haben wir einen Tag später überquert und sind über Shkodra direkt Richtung Theth gefahren. Der Verkehr in Shkodra lässt uns jedes Mal schmunzeln, wie die Menschen trotz eines Wirrwarrs aus Autos, Mofas, Fahrrädern und Fußgängern die teilweise fahren und gehen wie es ihnen gerade in den Sinn kommt, alle entspannt sind und der Verkehr einfach läuft. Leider haben wir dieses Mal wieder nicht daran gedacht,während unserer Durchfahrt die Kamera einzuschalten – ihr müsst uns das also einfach glauben 😉

Der einzige feste Plan für diesen Urlaub stand nun an: Theth.
Auf der SH21 war außer uns kaum jemand unterwegs, wir konnten also immer wieder schön entspannt anhalten, Fotos machen und die Umgebung bestaunen. Und das meine ich auch so, wir haben uns teilweise um unsere eigene Achse gedreht und wussten gar nicht wo wir zuerst hingucken sollen. Wenn ich Berge sehe, geht mein Herz auf und ich fühle mich sofort zu Hause, Marius geht es witzigerweise genau so.

In dem Moment, wo der Asphalt einem groben Schotterpass weicht, war es dann nicht mehr so einfach mit den Fotostopps. Jetzt wussten wir auch, wo der ganze Verkehr abgeblieben war, nämlich hier. Uns kamen auf dem Pass unzählige 4×4 Fahrzeuge, kleine Reisebusse, Jeeps und auch ganz normale Autos entgegen. Endlich im Tal angekommen, kurz vorm Campingplatz gab es die letzte, relativ steile Kehre, in der Marius auf einmal vor mir einen Satz vom Motorrad machte und dann auf dem Schotter neben einem Felsen lag.
Mir blieb kurz das Herz stehen.
Ich fragte Marius über das Headset ob es ihm gut gehe, er antwortete dass seine Hand umgeknickt wäre. „Scheisse“, dachte ich, stellte meine Rally ein kurzes Stück weiter ab wo sie stabil stehen konnte, rannte zurück und hob mit zwei freundlichen Wanderern, die gerade vorbeikamen, das Motorrad hoch. Marius setzte sich auf einen kleinen Felsvorsprung und wir inspizierten seine rechte Hand, die bei dem Sturz nach hinten überdehnt wurde. Die hundert Meter bis zum Campingplatz konnte Marius ein paar Minuten später schon wieder vorsichtig fahren. Klar war allerdings, dass wir hier erst mal so lange bleiben, bis wir entweder Hilfe besorgen oder es Marius besser geht.

Nach ein paar Stunden war Marius’ Hand weder angeschwollen noch komisch verfärbt, ich war erleichtert. Wir versuchten, die ganze Sache nüchtern zu betrachten und das Beste draus zu machen. Es gibt schließlich schlimmeres als hier seine Zeit zu verbringen. Wir nutzten die zwei Tage vor Ort zum wandern und zur Erholung, was am Ende dazu geführt hat dass Marius’ Hand am dritten Tag bei bestimmten Bewegungen zwar immer noch wehtat, aber er sich sicher fühlte, weiterzufahren.

++ UPDATE ++ 10/2018 ++
Marius war in der Zwischenzeit (zurück in der Heimat) im Krankenhaus um seine Hand untersuchen zu lassen. Zum Glück war sie tatsächlich nicht gebrochen, lediglich die Bänder wurden bei dem Sturz überdehnt, was er heute noch merkt, wenn er seine Hand nach hinten dehnt. Laut unserem Arzt dauert das einfach seine Zeit, bis alles wieder abgeheilt und im Normalzustand ist. Wir sind froh, dass es nicht schlimmer ausgegangen ist!

Jetzt hieß es wieder, zurück Richtung Montenegro, schließlich wollten wir zu Marius Geburtstag in Kotor sein um dort zu feiern.

Kurz hinter der Grenze hielten wir an einem Supermarkt, Marius ging rein um Verpflegung für den nächsten Tag zu kaufen während ich draußen neben den Motorrädern im Schatten wartete.
Gegenüber des Supermarktes saßen ein paar ältere Herren und spielten Karten. Ich lehnte mich an die Hausfassade um bloß keinen Sonnenstrahl abzubekommen, da hörte ich von gegenüber „from Germany? Deutschland?“ einer der Herren schaute mich lächelnd an, ich antwortete „yes, ja!“.
Nach einer kurzen Unterhaltung darüber, wo wir schon waren und wo wir hinwollen, wurde ich eingeladen, mit am Tisch zu sitzen und wurde mit Kaffee und Cola versorgt. Wir unterhielten uns übers Reisen, Familie, die Menschen in Albanien, Montenegro und Deutschland, über alles mögliche.
Als Marius nach einer kleinen Ewigkeit aus dem Supermarkt kam, wurde auch er sofort an unseren Tisch gerufen und mit Getränken versorgt. Wir unterhielten uns noch knapp eine Stunde mit den freundlichen Menschen an den Tischen und erfuhren, dass es sich bei dem kleinen Laden um eine Einrichtung für Pensionäre und Rentner handelt, die sich dort täglich treffen und bei Gesellschaftsspielen vergünstigt Kaffee und Erfrischungsgetränke kaufen können. Einer von ihnen war so nett und begleitete Marius zu einem Friseur der aus seiner Matte wieder eine ansehnliche Glatze zauberte, für die er zurück am Tisch mit Applaus empfangen wurde 😀

So gerne wir hier noch Stunden gesessen und über Gott und die Welt gequatscht hätten, wir mussten weiter, schließlich hatten wir heute noch einige Kilometer vor uns. Also folgte eine kurze Fotosession, Abschied, Helme auf und weiter ging’s.

Was anschließend folgte, waren nicht nur ein paar Kilometer, es waren 150 Kilometer eines Trails, der so abgelegen, steil, zugewachsen und voller Auswaschungen war, dass wir damit gerechnet hatten, irgendwann auf dem Trail wieder den Rückweg antreten zu müssen, weil es einfach nicht weitergeht.

Als wir den inneren Point-of-no-return erreicht hatten und wir auf den letzten Kilometern vor einer nahenden Straße (jaaa, endlich!!) auf eine Art Zaun trafen, legten wir die Äste zur Seite, fuhren durch und legten sie wieder zurück. Und ja, ein paar Kilometer später waren wir wieder in der Zivilisation angekommen, oder zumindest einer riesigen Baustelle (hier bauen chinesische Bauarbeiter eine Autobahn durch Montenegro), an der wir rauskamen – fix und fertig – aber glücklich.

Am nächsten Tag erreichten wir Kotor, den letzten Stopp unseres Urlaubs vor der Heimreise. Hier haben wir es uns drei Tage gut gehen lassen, waren schwimmen, sind die Serpentinen hoch bis zum Lovćen Nationalpark gefahren und vom Gipfel aus die Aussicht genossen. Natürlich haben wir uns auch die Altstadt von Kotor angeschaut, hier muss man jedoch wie in Dubrovnik mit Menschenmassen rechnen, zu jeder Tages- und Nachtzeit. An Marius’ Geburtstag haben wir trotzdem ein kleines Eckchen gefunden, das nicht soo überlaufen war und haben dort gebührend seinen 30sten gefeiert 🙂

Jetzt ist das auch schon wieder über eine Woche her. Aber nach der Reise ist vor der Reise, oder in unserem Fall, nach dem Urlaub ist vor der Weltreise 🙂

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2 Comments

  1. Ralf 7. Oktober 2018 um 19:42 Uhr - Antworten

    Sehr schön gemacht. Gut das dir beim Sturz nichts schlimmeres passiert ist. In dem Schnee haben wir im Mai auch gesteckt und mussten unsere geplante Route verlassen. Sehr Schade.
    Gruß Ralf

    • Marius 8. Oktober 2018 um 17:44 Uhr - Antworten

      Danke für dein Lob!
      Ne ist nichts schlimmes passiert, war wirklich nur überdehnt.
      Durch den langen Winter waren viele Regionen noch nicht so befahrbar wie man es eigentlich gewohnt ist. In Bosnien lag ja auch noch sehr viel Schnee, deswegen mussten wir auch im Sommer einfach nochmal hin – solltest du auch 😉

      VG Marius

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